Das Sündenregister der Söldnerarmeen

Das Sündenregister der Söldnerarmeen

Mehreren Quellen zufolge sollen Söldner in der Ostukraine mitkämpfen. Solche private Sicherheitsfirmen haben schon in anderen Konflikten eine wichtige Rolle gespielt.
Das Geschäft mit dem Krieg boomt. Es ist nicht nur lukrativ für Rüstungskonzerne, sondern auch für Söldnerarmeen. Über die meist sehr intransparenten Privatfirmen weiss man wenig – obwohl sie auf den Krieg einen gewaltigen Einfluss haben. Eine Firma sticht im Chaos des Kriegs immer wieder besonders hervor. Ihr Name ist berühmt wie berüchtigt: Academi.  Academi soll gemäss Medienberichten von letztem Jahr auch in der Ukrainekrise eine Rolle spielen und auf der Seite der ukrainischen Regierung stehen. In der Uniform der ukrainischen Sonderpolizei Sokol sollen die US-Söldner Angriffe auf prorussische Kräfte ausüben, dies berichteten ‹Bild am Sonntag› und ‹Spiegel Online› in Berufung auf bundesnachrichtendienstliche Quellen. Bestätigungen von unabhängiger Seite fehlen nach wie vor.  Kürzlich hat auch Nahostexperte Michael Lüders in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Phoenix erneut auf die Beteiligung von Academi am Konflikt im Donbass hingewiesen. Er nannte das «eine gefährliche, eine ungute Entwicklung». Die Rede ist von 500 Söldnern. Doch wer sind die schattenhaften, verschlossenen Krieger eigentlich?

Söldner im Dienste des Staates
Academi ist eine sogenannte private Sicherheitsfirma – das Wort Söldner missfällt dem ehemaligen Navy Seal und Gründer Erik Prince. Selber bezeichnet er seine Firma lieber als Sicherheitsdienst. Ursprünglich wurde Academi unter dem Namen Blackwater gegründet und kurzzeitig mit dem Namen Xe Services geführt – als Teil von ›Restrukturierungsmassnahmen›, nachdem eine Negativschlagzeile die andere gejagt hatte. Drohungen, extrem brutale Methoden und andere fragwürdige Praktiken haben in der Vergangenheit das Image von Academi geprägt. Der eigentliche Dienstleistungskatalog von Academi klingt dabei wenig spektakulär: Trainings in Rechtsdurchsetzung, Logistik, Nahkampfausbildungen, Sicherheitsdienste. Definitiv eine Untertreibung: In Tat und Wahrheit war Academi – neben über 60 anderen Sicherheitsfirmen wie Kellogg Brown & Root – signifikant in den Irakkrieg und in Afghanistan involviert. 2012 befanden sich beispielsweise mehr Söldner im Irak als Soldaten der US-Armee. Auf dem Höhepunkt des Krieges übertrafen ihre Truppenzahlen gar diejenige der britischen Armee. Zahlen, welche die traditionelle Vorstellung von Krieg infrage stellen. Auftraggeber für die Privatarmee: die US-Regierung. 2004 ging Academi, damals noch Blackwater, einen 5-Jahres-Vertrag über eine Milliarde US-Dollar mit der Regierung ein. Seit 2013 steht die Firma für 250 Millionen unter Vertrag bei der CIA.

Brutal, berechnend und rechtlich unklar
Kritik und offene Ablehnung gegenüber der Söldnerfirma ist an der Tagesordnung. So hat Academi die griechische Polizei verstärkt, da der Staat fürchtete, die rechtsradikale Partei ‹Goldene Morgenröte› habe sie unterwandert. Dieser Vertrag wurde von der griechischen Regierung vertraulich behandelt, aus Angst vor einem Aufstand in der zivilen Bevölkerung. Der üble Ruf von Academi ist dabei nicht unbegründet. Die erste Schlacht um Falluja während des Irak­krieges war primär das Resultat der Tötung vierer Söldner. Die Todesumstände wurden dabei nie vollständig geklärt und die Untersuchung gar von Academi ‹absichtlich behindert und verzögert›, wie ein Komitee des US-Kongresses später feststellte.  Es ist nicht das einzige Mal, dass Academi versucht hat, Untersuchungen zu behindern und sich aus der Affäre zu ziehen. 2007 hatte ein damaliger Topmanager von Academi im Irak die Untersuchungsbeamtin Jean Richter vom US-Aussenministerium mit dem Tod bedroht. «Niemand kann und wird etwas dagegen tun», weil sie sich hier im Irak befänden, sagte er. Richter schrieb in ihrem Report danach, die Strukturen von Academi seien «voller Gefahren und Fahrlässigkeiten» und gar, dass sich Academi selber «über dem Gesetz» sehe. Tatsächlich ist die rechtliche Situation von Academi Gegenstand von Diskussionen. So ist zum Beispiel nicht klar, unter welcher Rechtsordnung die Sicherheitsfirma genau operiert.

Das Sündenregister von Academi
Ausdruck davon ist zum Beispiel die fehlende Strafverfolgung zweier Söldner. Einer erschoss in betrunkenem Zustand einen Wachmann des irakischen Vizepräsidenten. Der Söldner wurde zwar von Academi entlassen, in den USA aber nie verurteilt, weil er sich darauf berief, in Selbstverteidigung gehandelt zu haben. Der andere hatte in Bagdad ein Auto beschossen und anschliessend Fahrerflucht begangen. Auch er wurde nicht verurteilt, dieses Mal aber, weil die US-Botschaft der Meinung war, disziplinarische Massnahmen würden die Moral der Söldner senken. Besonders ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde Academi aber 2007 durch die Tötung von 17 ­Zivilisten in Bagdad, nachdem ein Auto einem Academi-Konvoi zu nahe gekommen war. Weitere 20 Personen wurden dabei verletzt. Der Irak entzog Academi danach zeitweilig die Lizenz, im Lande zu operieren. Gegen fünf Söldner wurden mehrere Verfahren eröffnet, und nach einem rechtlichen Hin und Her – die Anklage wurde vorübergehend sogar wieder fallengelassen, was in der arabischen Welt für einen Aufschrei sorgte – wurden erst Ende 2014 vier Academi-Soldaten verurteilt. Einer wegen Mordes, die anderen drei wegen Totschlags.