Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum...

Viele Politiker und Wirtschaftler haben nicht die Einsicht oder den Mut zuzugeben, dass «Weitermachen mit immer mehr Wachstum» ein falscher Weg ist; andere meinen vielleicht, dass wir wenigstens noch ein paar Jahre so weitermachen können. Es fehlt an Entschlossenheit, zielstrebig zu versuchen, bessere, auch zunächst unpopuläre Wege zu gehen und es nicht späteren Generationen zu überlassen, mit dem Schaden, der heute angerichtet wird, zurechtzukommen. Vieles, was zu tun nötig ist, ist heute unpopulär und deshalb politisch kaum durchsetzbar. Aber sollten nicht die Medien eine Plattform bieten, auf der wir nach besseren Lösungen suchen? Sie könnten mehr dabei helfen, gute Wege zu bereiten, indem sie verschiedene Wirtschaftsmodelle kritisch diskutieren anstatt immer wieder nachzubeten: «Wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum!» Wir müssen endlich lernen, mit dem Vorhandenen auszukommen – ohne ständiges Wirtschaftswachstum. Das sollte möglich sein. Die Biologie macht es uns vor: Organismen sind in mancher Hinsicht Modelle für Wirtschaftssysteme. Und der Mensch wächst nach seinem 20. Lebensjahr nicht mehr nennenswert; trotzdem kann er danach ohne Wachstum ein langes gesundes Leben führen. Da wirkt unser Geschrei nach Wachstum ein wenig pubertär: «Ich bin jetzt 18 Jahre alt und wachse kaum noch!» Da wir zur Zeit so auf Wachstum fixiert sind, nehmen wir überhaupt nicht wahr, wie gut es uns in Deutschland geht – im Vergleich zu den meisten Menschen auf der Welt.

Herr Stieve hat dem FIGU-Mitglied Achim Wolf am 26.6.07 die Erlaubnis erteilt, den Artikel dem WZ-Verlag zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. Prof. Dr. Hennig Stieve ist Biologe am Institut für Biologie II, Lehrstuhl für Zoologie/ Tierphysiologie an der RWTH Aachen gie/ (http://www.bio2.rwth-aachen.de/users/stieve/html/hennig.htm E-Mail: STIEVE _AT_ RWTH-AACHEN.DE).

Hennig Stieve (2006): Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum aus der Sicht eines Biologen, Naturwissenschaftliche Rundschau 59(3), 80-83

Am selben Tag hat Herr Dr. Klaus Rehfeld von der Redaktion ‹Naturwissenschaftliche Rundschau›, Birkenwaldstrasse 44, 70191 Stuttgart (http://www.naturwissenschaftliche-rundschau.de) die gleichlautende Erlaubnis erteilt. Der Artikel ist im Februar 2006 in der Zeitschrift ‹Naturwissenschaftliche Rundschau›, 59. Jahrgang, Seite 80–83 erschienen.

Herr Dr. Rehfeld hat gleichzeitig nachgefragt, ob bei einer Veröffentlichung in einem FIGU-Bulletin der WZ-Verlag damit einverstanden wäre, dass die ‹Naturwissenschaftliche Rundschau› den Artikeltext auf ihre Homepage setzt. Im Gegenzug würde er darum bitten, dass der WZ-Verlag einen Link dorthin setzt, also z.B. in einem Bulletin. Bei einem Abdruck des Artikels möchte er um die genaue Quellenangabe und um Zusendung eines Belegheftes bitten (E-Mail: krehfeld _AT_ wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de).
Dem Ersuchen von Herrn Dr. Rehfeld wird natürlich entsprochen.