Das falsche, krankhafte christliche Demuts- und Opfer-Verständnis

Als negative Beispiele für persönliche Opfer im kultreligiösen Sinn stehen der Zölibat oder das Ordensbzw. Nonnenwesen. Als Nonne wird ein weibliches Mitglied eines christlichen oder buddhistischen Ordens bezeichnet. Die Nonne weiht bzw. opfert ihr Leben einem vermeintlichen und unbeweisbaren ‹Gott›. Sie stellt ihre Kräfte, Fähigkeiten und ihre Gedanken und Handlungen in den Dienst der Mitmenschen, um dadurch für ihre christliche Nächstenliebe die Gunst und ‹Gnade Gottes› zu erlangen. Als ‹Bräute Christi› vermeinen sie im Stundengebet in ständiger Verbindung mit ‹Gott› zu stehen, und daher opfern sie jede freie Minute dem Gebet. Sie sind durch feierliche Gelübde an ‹Gott›, die Kirche und an ihre Gemeinschaft gebunden. Die Entscheidung, das eigene Leben in den Dienst ‹Gottes› zu stellen, wird als grosses Opfer bezeichnet.
Selbst das deutsche Wörterbuch ‹Wahrig› ist sich des negativen Wertes eines Opfers bewusst. So heisst es wörtlich: «Opfer = Gabe für die Gottheit (Tier/Trank); unter schmerzlichem Verzicht gebrachte Spende; schmerzlicher Verzicht zugunsten eines anderen Menschen; jemand der eine Missetat oder ein Übel erdulden muss.»
Das Bedeutungswörterbuch Nr. 10 des DUDEN macht an dieser Stelle jedoch einen sehr grossen Fehler und beschreibt den Wortwert ‹Opfer› in einer für den heutigen Sprachgebrauch typischen und christlich geprägten Falschauslegung. Zitat: «Opfer: Er hat für die Erziehung seiner Kinder grosse Opfer gebracht, keine Opfer gescheut.»
Massgebende Bibelstellen, die im direkten Zusammenhang mit dem Opfer, dem Opfern oder mit Opfergaben an ‹Gott› in Verbindung stehen, sind in über fünfzig Versen der Bibel und dem NT zu finden. Entgegen aller schöpferischen Logik und allen ethischen Grundsätzen der Menschlichkeit wird das Opfer in den christlichen Nachschlagewerken einheitlich wie folgt bezeichnet: «Das Opfer bezeichnet die Gabe des Menschen an ein Numen (Gott, heilig) oder den mehr oder weniger ritualisierten Akt des Gebens selbst. Die Opferhandlung stellt ein magisches, kultisches, heilsgeschichtliches (Eschatologie) oder mystisches Geschehen, bei fortschreitender Ethisierung (Ethik) des Religiösen auch ein geistigsittliches Tun dar. Als typische Ersatzopfer können Finger, Haare, Votiv- und Figurenopfer, ferner Blumen, Geld- und Weihrauchopfer, als vergeistigte Gabenopfer Selbsthingabe, Selbstaufgabe, Askese, Verzicht, Gebet und Sakrament angesehen werden.»
Ein ganz besonderes Augenmerk liegt auf der Forderung nach der Selbsthingabe und Selbstaufgabe. Die Erbringung eines Opfers bzw. die Aufopferung oder Opferung der eigenen Bedürfnisse, der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung werden somit zum zentralen Glaubensbekenntnis des christlichen Gotteswahns. Mit der Opferbereitschaft tritt der Kultgläubige und gotteswahnkranke Mensch angeblich in Kontakt mit seiner imaginären Gottheit. In der visionären Hoffnung, die vermeintliche Gottheit auf sich aufmerksam zu machen, opfert der blindgläubige Mensch die eigene Persönlichkeit als Gottesgabe. Es ist letztendlich der ungehörte Versuch, durch einen Opferungsakt die bedingungslose Verehrung und den verblendeten Dank an eine imaginäre Gottheit zu bezeugen. In Tat und Wahrheit entspricht dies jedoch einem unlogischen Akt der eigenen Entwertung. Diese vermeintlich selbstlose Handlung basiert letztendlich immer auf der Furcht vor dem ‹göttlichen› Zorn und einer drohenden Verdammnis, im Fegefeuer oder der Hölle zu schmoren.