Hochmut kommt vor dem Fall

«Gott» ist angeblich die absolute Vollkommenheit. Seinem angeblichen Sohn «Jesus» wird diese Eigenschaft ebenfalls zugesprochen, und dessen irdische Nachfolger, die Päpste, nehmen für sich demzufolge die «Unfehlbarkeit» in Anspruch. Daher ist es natürlich äusserst peinlich und blamabel, wenn sich unter den Leitenden des «christlichen» Erbes und unter den potentiellen Anwärtern auf das päpstliche Amt Zwiespalt ausbreitet.
Dennoch - kaum sind einige Tage vergangen, hagelt es bezüglich der Schrift Vorwürfe aus den eigenen Reihen. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz Amédée Grab versucht zu relativieren. Er erklärt, dass es sich um ein Schriftstück handle, das nur für die Theologen bestimmt sei - und entmündigt damit die gehörnte Gläubigenschar. Im klaren Gegenteil der vatikanischen Autoren erklärt er die Angelegenheit zur Auslegungsfrage: «… das muss durch andere Passagen ergänzt werden», oder: im Gegensatz zu «Dominus Jesus»: «Aber es ist in keiner Weise gesagt, dass diejenigen, die diesen Weg nicht finden, in den Augen Gottes nicht gleichwertig sind oder seine Liebe nicht erfahren.»
Hart geht auch der österreichische Kardinal Franz König (95) mit der vatikanischen Schrift ins Gericht: «Es geht nicht um einen Machtanspruch, sondern um einen Dienst, um Demut gegenüber anderen Religionen», und wirft seinen vatikanischen Brüdern «kolonialen Hochmut» vor.
Das christliche Erbe und der Anspruch des Papstes auf Unfehlbarkeit scheint zu verblassen. Zwiespältige Gottesvertreter lassen auf eine zwiespältige Herrschaft in den obersten himmlischen Etagen schliessen. Kaum hätte wohl ein angeblich in allen Zeiten und Dimensionen anwesender «lieber Gott» streitbare und fehlbare Nachfolger als Erben und Stellvertreter für seine «vollkommene und fehllose» Sache eingesetzt. Die Realität zeigt jedoch die sehr menschlichen Ursprünge dieser angeblich «einzigartigen» und «alleinseligmachenden» Kult-Religion. Und immer deutlicher zeichnet sich eine längst fällige Tatsache ab: Es bröckelt der Putz am päpstlichen Stuhl.