Vatikansprecher und Klimaforscher Schellnhuber im Vorfeld der päpstlichen Umwelt-Enzyklika...

Die Reaktionen aus Politik, Religion und Wirtschaft
In der ganzen Welt hat die inoffizielle Enzyklika ein enormes Echo ausgelöst – von rüder Ablehnung einer vermeintlichen Einmischung in weltliche und damit wirtschaftliche Belange bis hin zu Begeisterung über die päpstlichen Forderungen ist alles enthalten. Viele religiöse und wirtschaftliche Interessengruppen und fanatische Gläubige haben sich vorab gewaltig über den bekannt gewordenen Inhalt der Enzyklika aufgeregt und sich darüber Sorgen oder Hoffnungen gemacht. Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL schreibt darüber: Denn wenn ein Papst über die Umwelt schreibt und dabei womöglich konkret wird, dann stehen handfeste Interessen auf dem Spiel. So schreckten nicht nur Energiekonzerne und Autobauer auf, als Papst Franziskus ankündigte, eine Enzyklika zur Umwelt zu schreiben. Agrargiganten und Geldhäuser, Wirtschaftsverbände und Regierungen fürchteten sogleich, dass dieser unberechenbare Katholikenführer Schaden anrichten könnte. Sie schickten Lobbyisten und genehme Wissenschaftler in den Vatikan, um dort zur Meinungsbildung in ihrem Sinne beizutragen. … Gleicher Druck kam von der Gegenseite. Umweltverbände aus aller Welt drängten den Papst, sich für ihre Ziele einzusetzen. Uno-Chef Ban Ki Moon umwarb Franziskus als Helfer für die nächste Klimarunde, diesen Herbst in Paris.

Weiter schreibt die ARD über die Reaktion US-amerikanischer Politiker:
Für eingefleischte Neokonservative eine Horrorvorstellung. Jeb Bush, Präsidentschaftskandidat der Republikaner und Katholik, will so etwas von einem Papst nicht hören: «Ich hoffe, ich werde dafür von meinem Pfarrer nicht gegeisselt, aber ich erhalte meine Wirtschaftspolitik nicht von meinen Bischöfen, meinen Kardinälen oder meinem Papst», sagt er. «Aber bevor ich ein Urteil fälle, möchte ich erst einmal lesen, was er sagt, wie all das mit dem Klimawandel zusammenhängt.»

Auch bei den Christengläubigen reichen die Reaktionen vom Abstreiten des Problems über Entsetzen bis hin zu Gleichgültigkeit oder blindem Glauben an eine technische Lösung – oder die Hilfe von ihrem ‹Herr Jesus›. Der Erzbischof von Washington betonte, der Gedanke an Umweltschutz sei sicher wichtig, doch dürfe er die wirtschaftliche Entwicklung nicht gefährden. Mitarbeiter der konservativen Denkfabrik ‹Heartland Institute› reisten kürzlich nach Rom, um den Papst vor dem vermeintlichen Fehler zu bewahren, seine enorme moralische Autorität für «Schrott-Wissenschaften und -Strategien einzusetzen, die die Welt nur noch schlechter machen». Die globale Erwärmung sei schlicht nicht menschengemacht, heisst es auf der Internetzseite des Instituts, das auch Studien für Tabakkonzerne erstellt hat, um zu bestreiten, dass es einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs gibt. Eine Delegation des Exxon-Konzerns wurde ebenfalls mit einer entsprechenden PowerPoint-Präsentation im Vatikan vorstellig.

Franziskus war von Seiten einer Teilmenge der Christen, insbesondere von fanatischen Gläubigen und den Republikanern in den USA, einem sogenannten ‹Shitstorm› ausgesetzt, den Wikipedia als ‹Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden äusserungen einhergeht› ­definiert. Dabei wurde wie üblich viel emotionaler Unsinn und glaubenswahnbedingter Blödsinn zum besten gegeben, der an den realen Tatsachen der Wirklichkeit des Klimawandels und der ursächlichen überbevölkerung meilenweit vorbeigeht. Es gab aber auch vernünftige Stimmen wie es der folgende Kommentar belegt: Good point. But it is hard to communicate with the ignorance of religion. The good news is that religion will someday disappear. The bad news is that it will take a long time. Auf Deutsch: … Guter Punkt, aber es ist schwer, vor dem Hintergrund religiöser Ignoranz zu kommunizieren. Die gute Nachricht ist, dass die Religion eines Tages verschwinden wird. Die schlechte Nachricht ist, dass das noch sehr lange dauern wird. Vor dem Hintergrund, dass der Papst im September die USA besuchen will, könnten die Aussagen als Frontalangriff auf die Umweltpolitik der konservativen Republikaner in Washington gewertet werden, die in den meisten Fällen abstreiten, dass der Klimawandel ein menschengemachtes Phänomen ist.