WZ-Nr. 182: Sich selbst helfen

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43. Jahrgang, März 2017
Wassermannzeit-Verlag / «Billy» Eduard Albert Meier


In den letzten geschätzten zehn oder vielleicht auch zwanzig Jahren, als meine Mutter noch lebte, sagte sie oft, sie könne unseren Vater nicht alleine lassen, sie sei sein Gedächtnis und ohne sie sei er in vielerlei Hinsicht einfach aufgeschmissen. Sie hatte tatsächlich alles im Kopf, seien es Termine, Einkaufslisten, Geburtstage und sonst alles, was das Leben so an Wichtigkeiten bereithält, die nicht untergehen sollten, davon abgesehen, dass sie der gute ‹Geist› und die ‹Seele› des Hauses war. Solange sie dessen mächtig war, war sie auch zuständig für die Finanzen, so dass sie meinen Vater vor dem bewahrt hätte, in das er, wie ich später berichten werde, hineingeriet.

Zwar waren beide sehr gläubig, und mein Vater war wegen meiner Zugehörigkeit zur FIGU und meines Austrittes aus der katholischen Kirche sicher, dass ich nach meinem Ableben in der Hölle schmoren müsste, was ihn ausserordentlich bekümmert – daran hat sich bis heute nichts geändert. Meine Mutter hielt das ihrerseits in meinem Fall für gänzlich ausgeschlossen, doch leider konnte sie diesbe­züglich nie bis zu ihm vordringen. Seit fünf Jahren muss er nun ohne sie auskommen. Wie recht sie hatte mit ihrer Sorge, wenn auch auf eine ganz andere Art und unabhängig von seinem Gedächtnis, das hat sich auf unheilvolle Weise erwiesen. Sein Gedächtnis hat er wieder ausgraben können, da es nur bequem geworden, aber nicht verkümmert war, funktionierte es auch wieder. Dafür nahm eine andere, richtig gravierende und auch tragische Geschichte Gestalt an in seinem Leben, die sich buchstäblich zum Dämon entwickelte. Der Grund mag darin liegen, dass er in Gelddingen nicht mehr auf ihren klugen Umgang zurückgreifen konnte.