WZ-Nr. 170: Gewohnheiten

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Gewohnheiten können sowohl ein Segen als auch ein Fluch für den Menschen sein, denn sie sind stark in ihm verankert. Es sind Neigungen, die oft seiner Wesensart entsprechen, welche er schon seit seiner Kindheit pflegt. Was sich der Mensch seit seiner frühen Erziehung angeeignet hat, pflegt er weiter, und so können sich Denk-, Handlungs-und Vorgehensweisen als Gewohnheiten einschleifen und festsetzen.

Beispielsweise hat der eine Mensch gelernt, immer systematisch vorzugehen, während der andere unbekümmert alles zu Erledigende häufelt und aufstapelt. Ersterer hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Ordnung zu halten, seine Arbeiten und anstehende Dinge fortlaufend zu erledigen, und daher wird es ihm leichtfallen, Zeit für anderes und Weiterführendes zu finden. Der andere Mensch wird zeit seines Lebens mühevoll versuchen, seine aufgeschobenen Arbeiten und Vorhaben abzubauen, derweil sich immer weiter Erfordernisse des Alltags anhäufen und er folglich allem stetig hinterherhinkt. Die Folge dieser Gewohnheit ist absehbar: Es bleibt keine Zeit für anderes; die Freude am Tun wird weniger, bis nur noch Mühe, Unlust und Frustration zurückbleiben. Auch wenn es diesen Menschen ärgert und er weiss, woran sein selbstgemachter Stress liegt, gelingt es ihm – wenn überhaupt – nur schwer, sich von seiner üblichen Handlungs- und Vorgehensweise zu lösen und sich eine förderliche Gewohnheit anzueignen, die ihm sein Leben erleichtern würde. Oftmals verharrt er lieber in alten Mustern, denn eine Veränderung würde doch nur Anstrengung und Mehraufwand bedeuten. Daher ist es illusorisch zu glauben, er könne dann, wenn er einmal mehr Zeit hat, z. B. an Ferien-, Frei- und Sonntagen und erst recht nach seiner Pensionierung, alles das tun, was er schon immer gern tun wollte. Auch das entspricht wohl eher einer Wunschvorstellung, denn aus unklaren, vagen Vorstellungen können keine klare Handlungen und Wirkungen hervorgehen.

Unliebsame Gewohnheiten können durchbrochen werden, indem der Mensch gründlich darüber nachdenkt, wie er sich im Alltag verhält, wann und wo er in das alte gewohnte Muster verfällt, wie und was er daran ändern kann und sich dann ein klares Ziel sehr sorgfältig aufbaut, dieses konsequent verfolgt und dabei immer achtsam bleibt. Im Geisteslehrbrief Nr. 14 ist auf Seite 142 über die Gewohnheit folgendes nachzulesen:

«Vom Standpunkt der Geisteslehre und somit vom Standpunkt der Wahrheit aus gesehen, ist die Gewohnheit nichts anderes als das automatische in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit Treten von Ideen, die sich dann verwirklichen. Je öfter der Mensch eine Idee bewusst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt, um so leichter gelingt dies und um so präziser verwirklicht sie sich.»