WZ-Nr. 147: Gedanken zur Neutralität im Alltag

Kränkungen, Beleidigungen und verbale Verletzungen haben keine Chance, wenn man nicht zulässt, dass sie im eigenen Bewusstsein wirksam werden.

Alle Menschen haben im Unterbewusstsein und im Gedächtnis mehr oder weniger Geschehen, Bilder, Begebenheiten, Beobachtungen, Erlebnisse usw. gespeichert, die der jeweiligen Realität nicht entsprachen und deshalb verfälscht mit selbst kreierten Vorurteilen, Vermutungen und Falschinterpretationen usw. ins Innere gelangten. Dementsprechend sind die Impulse aus dem Unterbewusstsein geprägt. Diese Impulse müssen wachsam registriert und neutralisiert werden, denn nur dadurch gelingt es, den Tatsachen entsprechende Wahrnehmungen zu machen und daraus Kenntnis, Erkenntnis, Wissen, Erfahrung und Weisheit zu erlangen. Viele Menschen haben die Tendenz, Neuem, Unbekanntem und Fremdartigem skeptisch, voreingenommen, überkritisch und nicht selten voller Misstrauen gegenüberzustehen. Um Neues, Unbekanntes und Fremdartiges ergründen zu können, braucht es aber eine unvoreingenommene, wachsame, objektive und vernünftige Denkweise. Allein dieses Vorgehen gewährleistet ein den Tatsachen entsprechendes Ergebnis. Gut gemeinte Fürsorge, falsch verstandenes Pflichtgefühl usw. – die Gründe, die dazu verleiten, sich in das Leben nahestehender Mitmenschen einzumischen und damit ihre persönliche Freiheit einzuschränken, sind sehr zahlreich. Das Wissen um die Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen sowie die Tatsache, dass jeder Mensch einen ganz persönlichen, einzigartigen Lebensweg beschreitet, der seinen Anfang nicht erst in diesem Leben hat, sondern durch zahllose frühere Persönlichkeiten mitgeprägt wurde, sollte dabei hilfreich sein, sich neutral-positiv verhalten und auf ungebetene Einmischung verzichten zu können.

Es ist sehr bedauerlich, dass sich viele Menschen das Zusammenleben durch Streit und Hader oft so schwer machen. Dabei sind häufig lächerliche Missverständnisse der Ursprung von Zerwürfnissen, die schliesslich nicht selten zu lebenslangen Feindschaften führen – Missverständnisse, die auf Vermutungen, Vorurteilen, Empfindlichkeit und dergleichen mehr aufgebaut sind. Würde nur einmal ein neutrales, sachliches und klärendes Gespräch geführt, könnte sich vieles wieder ausgleichen und dadurch unnötige und belastende Zerwürfnisse verhindert werden. Zahlreiche Menschen fürchten sich vor negativen Erfahrungen; dabei wird nicht bedacht, dass auch aus negativen Erlebnissen sehr Wertvolles gewonnen werden kann, wenn das Positive zum Wirken gebracht wird, das in allem Negativen enthalten ist. Das ist z.B. dann der Fall, wenn ein Mensch durch eine schwere Krankheit oder einen erlittenen Unfall beginnt, sich tiefgreifende Gedanken über das eigene Leben zu machen, dadurch von einer oberflächlichen Sinngebung des Lebens abweicht und in sich Tugenden wie Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Toleranz usw. entwickelt.

Für das Wohl des Menschen ist es sehr bedeutsam, das Leben als ständigen Lernprozess zu begreifen und positive wie auch negative Erfahrungen als notwendige Schritte im Streben nach evolutivem Fortschritt zu akzeptieren. Das hat zur Folge, dass es aufgrund der Bemühung, Neutralität zu erlernen, immer besser gelingt, das Alltagsleben mit seinen Herausforderungen auf sich zukommen zu lassen, das Beste aus allem zu machen und in allen Situationen immer mehr Ruhe und Gelassenheit bewahren zu können.