Der Mensch und das Schicksal gestern und heute

Und dieses Schicksal erfüllt sich bei jedem Menschen, ohne dass ein Gott über dessen Einzelleben stünde und alles steuern würde. Natürlich gibt es die Schöpfung, die über allem steht, doch diese lenkt den Menschen nicht, weil er das nämlich selbst tut. Die Schöpfung ist auch nicht das Übergrosse, das sich um den Menschen kümmert, weil er das selbst tun muss, und nur wenn er das selbst tut, ist er im Leben gut aufgehoben und kann nicht aus seinen Grenzen herausfallen. Um das aber zu verwirklichen, muss der Mensch sein Leben geschehen und treiben lassen, doch wo es notwendig und machbar ist, muss es gesteuert werden. Der Mensch von gestern stand im Leben und steckte darin, und er schaute nicht wie ein Experte darauf, sondern er bewältigte es einfach nach bestem Können und Gewissen, und dadurch hatte er ein volles und erfülltes Leben und wusste sich in jeder Lebenslage und bei jedem Geschehen, in jeder Situation und bei jedem Schicksalsschlag zu helfen, was dem Menschen von heute jedoch fremd ist. Folglich braucht er heute bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit ein Sorge-Team, einen Psychiater oder Priester usw., um überhaupt als Lebensunfähiger im Leben noch einigermassen bestehen zu können. Wenn der Mensch von heute ständig nur sein Leben betrachtet und selbstmitleidig ist, dann kann er sein Leben nicht führen. Damit er froh und glücklich sein kann, muss er sich selbst helfen können, was er jedoch nur tun kann, wenn er weiss, was ihm gut tut. Das bedeutet, dass er nicht ständig nur sein Leben betrachtet, sondern dass er auf sich acht gibt und seine Gedanken und Gefühle sowie sein Handeln derart prägt, wie es ihm selbst entspricht. Der Mensch von heute versteht nicht mehr, dass er sein Leben selbst steuern muss, weil er nur noch irrig an das Schicksal und daran glaubt, dass er sein Leben selbst in der Hand habe. Dies, während der Mensch von gestern sein Leben tatsächlich selbst in die Hand nahm und das Schicksal einfach als etwas hinnahm, dem nicht entwichen werden konnte, folglich es mit eigener Kraft bewältigt werden musste. Heute glaubt der Mensch, dass er alles in seinem Leben planen könne, doch welchem Irrtum erliegt er damit, denn das Schicksal kann nicht geplant werden, weil es an die Fügung durch Ursache und Wirkung gebunden ist. Wer nach dem Schicksal fragt, versteht das Leben nicht, damit aber auch nicht den Sinn des Lebens und nicht die Tatsache, dass Glück und Glücklichsein nur ein kleiner Gedankensprung zu Verstand und Vernunft sind. Der Mensch von heute versteht leider unter Glück vor allem etwas Materielles resp. ein materielles Glück, weil sein Leben vom Kapitalismus dirigiert wird, wie auch vom stetigen Streben nach wachsendem Reichtum. Daraus resultiert auch, dass das Leben nur dann als gut, wertvoll und gelungen gilt, wenn viel Reichtum und Erfolg vorgewiesen werden kann, während völlig vergessen wird, dass das Leben nur dann glücklich und wertvoll sein kann, wenn sich der Mensch seinem Schicksal zu fügen und dieses aus eigener Kraft zu bewältigen vermag.
Billy
Semjase-Silver-Star-Center, 11. November 2010, 19.19 h