James W. Deardorff

Doch aus einem Blickpunkt, der weder von Arends noch Korff in Betracht gezogen wurde - dass das TJ echt sein könnte -, findet man, dass es der Matthäus-Verfasser war, der viele Einfügungen, Auslassungen und Ersetzungen machte, als der das TJ als seine Quelle gebrauchte. Und man findet aus diesem Blickwinkel ein sehr widerspruchfreies Bild der theologischen Tendenz/Einstellung dieses Verfassers, ebenso wie frische und widerspruchfreie Lösungen für die Probleme der Evangeliums-Prioritäten und Interpretationen der wenigen, prägnanten und vieldeutigen Aussagen über die Entstehung der Evangelien, die von gewissen frühen Kirchenvätern überdauert haben, aber die Hauptstrom-Bibel-Forschung noch immer vor Rätsel stellen. Diese im Matthäus(-Evangelium) einverleibten Änderungen sind dann das, was Arends von seinem Standpunkt aus, dass Meier sich des Betruges schuldig machte, als «Verschönerungen» bezeichnet. So machen sich Arends und Korff der Unterlassung schuldig, sogar die Wahrscheinlichkeit in Betracht zu ziehen, dass es der Matthäus-Verfasser war, der massive herausgeberische Änderungen in der Übertragung des Quellendokuments machte, dem TJ, in eine Form, die von der Frühkirche akzeptiert werden konnte, nämlich ins Matthäus-Evangelium. Der interessierte Leser wird wohl 'Die Probleme der Ursprünge der Evangelien des Neuen Testamentes' zu konsultieren haben, um zu erfahren, wie stark die Beweise sind, dass Matthäus (nicht Markus) das erste geschriebene Evangelium war, in Hebräisch oder Aramäisch; Markus war das zweite und Lukas das dritte, wie bezeugt durch die frühen Kirchenväter Irenäus, Origenes und Augustinus, und von Bischof Papias angedeutet.

Auf Seite 83 seines Buches erwähnt Korff einen verbalen Angriff auf Meier, der vor nicht zu langer Zeit durch Underground Video (UV) aus Beverly Hills, CA, lanciert wurde. Deren Anschuldigungen scheinen jedoch derselben Natur zu sein wie Korffs - ganz unbegründet, mit wenigen Details, die verfügbar gemacht wurden. In einer Fussnote jedoch, bezugnehmend auf ein Gespräch mit dem Präsidenten von UV, erwähnt Korff eine spezielle Anschuldigung: dass UV «Beweise entdeckt hat, die beweisen, dass das Talmud Immanuel kein Aramäisch enthält!» Man weiss kaum, was man mit dieser Anschuldigung machen soll. Soll sie bedeuten, dass UV oder Korff denken, dass nach der Übersetzung eines Dokuments vom Aramäischen ins Deutsche das letztere aramäisch Geschriebenes enthalten sollte?

Um diese Anschuldigung im intelligentesten Licht zu interpretieren: Es mag sein, dass UV behauptete, dass das deutsche TJ keine unbeholfene Sprache zeigt, die darauf hinweist, dass es an gewissen Stellen buchstäblich aus dem Aramäischen übersetzt wurde. Solche Hinweise, sofern im Text vorhanden, würden Aramäismus genannt, wessen Bedeutung Korff nicht verstanden haben mag. Im deutschen TJ von 1978 gibt es einige Aramäismen, die genügend offensichtlich sind, dass selbst ein Nichtgelehrter des Aramäischen, wie ich selbst, diese identifizieren kann (mit der Hilfe einiger Textbücher, die den Aramäismus in den Evangelien diskutieren). Ein Teil davon beinhaltet Sätze der Art, in denen «und er sprach» oder ähnliche Worte vorkommen, anscheinend überreichlich, unmittelbar einem andern Verb folgend, welches beinahe die gleiche Bedeutung hat, so z.B. «antwortete».